WS16 SoTeDIT

Socio-Technical Design of the Internet of Things (#SoTeDIT)

Technologien des IoT (Internet of Things – Internet der Dinge) halten zunehmend Einzug in eine Vielzahl von Lebensbereichen. Neben industriellen Kontexten, in denen vor allem die Steigerung von Effizienz, Qualität, Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit im Mittelpunkt stehen, gilt dies insbesondere auch für Anwendungsbereiche, die eine besondere Nähe zu den Nutzern aufweisen und/oder bei denen die soziale Interaktion unterschiedlicher Akteure eine besondere Rolle spielt. Hieraus ergeben sich eine Vielzahl ethischer, rechtlicher und sozialer (ELSA) Fragestellungen, die – neben rein technischen Anforderungen – bei der Gestaltung solcher Technologien geeignet adressiert werden müssen.

Im Bereich der Wearables und Gesundheitsapplikationen, der von den mittlerweile allgegenwärtigen Aktivitäts- und Fitnesstrackern über vernetzte Körperwaagen und Blutzuckermessgeräte bis zu Headsets zur externen kranialen Neurostimulation reicht, verspricht ein dauerhaftes Monitoring beispielsweise neue Formen der Prävention, Erkennung und Behandlung, wirft aber gleichzeitig ethische Fragen z.B. nach technischer Bevormundung oder rechtliche Probleme des Daten- und Privatsphärenschutzes auf. Im Kontext der Quantified-Self-Bewegung ergeben sich aus der technologischen Entwicklung zudem auch vollkommen neue, technisch vermittelte soziale Praktiken und Interaktionsmuster ebenso wie neue Geschäftsmodelle (bspw. verhaltensbasierte Versicherungstarife), die langfristig bspw. Solidaritäts- und Gerechtigkeitsfragen aufwerfen.

Ähnliches gilt auch für den Bereich des Participatory Sensing, also der partizipativen Erfassung und Dokumentation von Umweltbedingungen durch interessierte Bürger auf Basis kostengünstiger IoT-Technologien; als aktuelles Beispiel kann hier die Initiative zur Messung von Radioaktivität rund um das belgische AKW Tihange genannt werden. Solche und vergleichbare Initiativen können grundsätzlich dazu beitragen, die verfügbare Datenlage bspw. im Umweltbereich zu verbessern, zu dokumentieren und bislang unbekannte Wirkungszusammenhänge aufzudecken. Auch in diesem Kontext stellen sich jedoch ebenfalls eine Vielzahl ethischer, rechtlicher und sozialer Fragen: Wie können durch konkrete technische Ausgestaltung Anreize zur Bereitstellung von Sensoren und Daten gegeben werden? Wie kann technisch gewährleistet und/oder verlässlich signalisiert werden, dass Daten nur zu vorgegebenen Zwecken verwendet werden, also Vertrauen hergestellt wird? Wie können Validität und Reliabilität der Daten gesichert werden? Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich, um bspw. Bürgerinteressen gegenüber politischen Entscheidungsträgern einzufordern? Für eine vorausschauende und verantwortliche Technologiegestaltung müssen auch hier ELSA-Fragen bereits im Designprozess adressiert werden.

Über die genannten Beispiele hinaus müssen diese und ähnliche Fragen, die Einfluss auf die technische Gestaltung haben, auch für viele andere Anwendungsbereiche von IoT-Technologien wie SmartHome, virtuelle Assistenten, smartes Spielzeug u. Ä. beantwortet werden. Die genannten Beispielfelder sind daher ausdrücklich nicht exklusiv zu verstehen.

Wir rufen zur Einreichung von Kurz- und Langbeiträgen (in deutscher oder englischer Sprache) auf, die entweder technische Lösungen vorstellen und zeigen, wie dabei ethische, rechtliche und soziale Aspekte berücksichtigt werden, oder die ausgehend von ELSA-Fragen (mögliche) technische Herangehensweisen zu deren Adressierung beschreiben. In beiden Fällen sind auch eher konzeptionelle Beiträge möglich, der Bezug zu konkreten Systemen und / oder Forschungsprojekten ist jedoch ausdrücklich erwünscht. Beiträge, die eine praktische Demonstration technischer Systeme im Workshop vorsehen, werden begrüßt; hierauf ist in der Einreichung explizit hinzuweisen.

Für Einreichungen ist zu beachten:

Organisation

Dr.-Ing. Frank Pallas, TU Berlin (FG Information Systems Engineering)
Prof. Dr. phil. habil. Karsten Weber, OTH Regensburg (Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung)
Dipl.-Inf. Max-R. Ulbricht, TU Berlin (FG Information Systems Engineering)
Nadine Kleine, M.A., OTH Regensburg (Institut für Sozialforschung und Technikfolgeabschätzung)

Programmkomitee

Prof. Dr. Martina Zitterbart (Informatik, KIT)
Prof. Dr. Björn Scheuermann (Technische Informatik, HU Berlin)
Prof. Dr. Axel Küpper (Informatik, TU Berlin)
Prof. Dr. Martin Warnke (Informatik, Leuphana Universität Lüneburg)
Dr. Jens-Martin Löbel (Informatik und Medienwissenschaft, Universität Bayreuth)
Dr.-Ing. David Bermbach (Informatik, TU Berlin)
Dr. phil. nat. Jan Haase (Technische Informatik, Universität Lübeck)
Dipl.-Inf. Jörg Pohle (Informatik, HIIG)
Prof. Dr. phil. Michael Nagenborg (Technikphilosophie, Universität Twente)
Dr. Michael Friedewald (Technikfolgenabschätzung, Fraunhofer ISI)
PD Dr. phil. habil. Jessica Heesen (Ethik, Universität Tübingen)
PD Dr. Oliver Raabe (Rechtswissenschaft, KIT)
Prof. Burkhard Schäfer (Rechtswissenschaft, Universität Edinburgh)
PD Dr. phil. habil. Martin Meister (Techniksoziologie, TU Berlin)
Dr. Ulrike Höppner (Politikwissenschaft)
Prof. Dr. Alfred Winter (Medizininformatik, Universität Leipzig)
PD Dr.-Ing. Astrid Böger (Telemedizin, T-Systems International)

Wichtige Termine

Einreichung von Beiträgen: bis 30.04.2017
Entscheidung über die Annahme: bis 15.05.2017
Einreichung der druckfähigen Version: bis 30.06.2017